Medienntzung für Jugendliche

Bericht zur Anhörung im Landtag Mecklenburg-Vorpommern: Medienschutz und digitale Mediennutzung für Jugendliche

Vor kurzem fand die 33. öffentliche Sitzung der Enquete-Kommission „Jung sein in Mecklenburg-Vorpommern“ im Landtag Mecklenburg-Vorpommern statt. Im Rahmen dieser Veranstaltung wurde das Thema digitale Mediennutzung für Jugendliche behandelt, zu dem die renommierte Medienethikerin Prof. Dr. Petra Grimm einen Vortrag hielt. Ihre Stellungnahme beleuchtete zentrale Herausforderungen der digitalen Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen und zeigte Lösungsansätze auf, um einen sicheren und ethisch reflektierten Umgang mit digitalen Medien zu ermöglichen.

Bedeutung des Themas digitale Mediennutzung für Jugendliche in Mecklenburg-Vorpommern

Mecklenburg-Vorpommern ist als Flächenland besonders von der Digitalisierung betroffen, da Jugendliche in vielen ländlichen Regionen oftmals weniger Zugang zu bildungsfördernden Angeboten oder medienpädagogischer Unterstützung haben als in urbanen Zentren. Gleichzeitig sind digitale Medien für die junge Generation essenziell – sei es für Bildung, soziale Interaktion oder politische Meinungsbildung. Die Enquete-Kommission hat sich daher zum Ziel gesetzt, die Chancen und Risiken der Digitalisierung zu analysieren und Handlungsempfehlungen für Politik und Gesellschaft zu erarbeiten. Der Vortrag von Prof. Grimm war in diesem Kontext ein wichtiger Impuls zur Stärkung des Medienschutzes und der Medienkompetenz in Mecklenburg-Vorpommern.

Hauptgefahren durch digitale Mediennutzung für Jugendliche

Prof. Grimm stellte in ihrer Stellungnahme verschiedene Gefahren heraus, die sich für Jugendliche aus der Nutzung digitaler Medien ergeben:

  1. Gewalt und Cybermobbing
    Digitale Medien werden zunehmend als Plattform für Cybermobbing genutzt. Jugendliche sind nicht nur Opfer, sondern mitunter auch Täter. Desorientierende oder gewaltverherrlichende Inhalte können das Aggressionspotenzial verstärken und das Sozialverhalten beeinflussen.
  2. Manipulation durch Desinformation und Influencing
    Die Verbreitung von Fake News, Deepfakes und gezielter politischer Beeinflussung über soziale Medien stellt eine ernsthafte Bedrohung für die demokratische Meinungsbildung dar. Jugendliche, die noch nicht über ausgeprägte medienkritische Fähigkeiten verfügen, sind besonders anfällig für manipulative Inhalte und extreme Ideologien.
  3. Datenmissbrauch und Identitätsdiebstahl
    Junge Nutzer gehen oft unbedacht mit ihren persönlichen Daten um. Die Gefahr des Identitätsdiebstahls sowie der kommerziellen Verwertung persönlicher Informationen durch Social-Media-Plattformen ist allgegenwärtig.
  4. Gesundheitliche Risiken
    Digitale Mediennutzung kann zur Abhängigkeit führen, insbesondere bei Social Media und Online-Spielen. Psychische Erkrankungen wie Einsamkeit, Minderwertigkeitsgefühle durch sozialen Vergleich oder Cyberchondrie (übermäßige Selbstdiagnose im Internet) nehmen zu. Auch physische Folgen wie Essstörungen oder selbstverletzendes Verhalten können durch problematische Online-Inhalte verstärkt werden.
  5. Kompetenzverlust durch Künstliche Intelligenz
    Der vermehrte Einsatz von KI-gestützten Tools wie ChatGPT kann dazu führen, dass Jugendliche weniger selbstständig denken, schreiben oder reflektieren. Kreativität und Sprachkompetenz könnten dadurch langfristig beeinträchtigt werden.

Lösungsansätze für einen besseren Medienschutz

Um diesen Herausforderungen entgegenzuwirken, formulierte Prof. Grimm verschiedene Maßnahmen:

1. Förderung der Medienbildung und ethischen Reflexion

Ein zentraler Punkt ist die frühzeitige Förderung von Medienkompetenz in Schulen. Sie empfahl die Einbindung von Unterrichtsmaterialien wie „Ethik macht Klick“, um Jugendliche zu sensibilisieren und ihnen kritische Reflexionsfähigkeiten beizubringen. Ziel sei es, Desinformationsstrategien zu erkennen und die Auswirkungen von Fake News auf die Demokratie zu verstehen.

2. Stärkere Regulierung von Plattformanbietern

Neben der individuellen Medienkompetenz müssen laut Grimm auch Social-Media-Plattformen stärker in die Pflicht genommen werden. Notwendig seien bessere Moderations- und Faktencheck-Systeme sowie eine konsequente Löschung von Desinformation und Hassrede.

3. Schutz vor Beeinflussung durch Social Media

Jugendliche sollten nicht nur über die Mechanismen von politischem Targeting und algorithmengesteuerten Inhalten aufgeklärt werden, sondern auch durch spielerische Methoden wie „Dilemmata-Geschichten“ zum kritischen Nachdenken angeregt werden.

4. Prävention von Cybermobbing

Im Rahmen des Datenschutzes sollten Schulen auch klare Präventionsmaßnahmen verankern, darunter Vertrauenspersonen für Betroffene, Schulungen für Lehrkräfte und die Ausbildung von Medienscouts. Zudem sei es wichtig, einen Kodex für respektvollen digitalen Umgang gemeinsam mit den Schülern zu entwickeln.

5. Wertevermittlung in der digitalen Welt

Erzählungen und Narrative spielen laut Grimm eine Schlüsselrolle in der Wertebildung. Jugendliche sollten anhand von Geschichten ethische Konflikte reflektieren und eine eigene ethische Haltung entwickeln können.

Fazit

Der Vortrag von Prof. Dr. Grimm lieferte eine fundierte Analyse der Herausforderungen der digitalen Mediennutzung für Jugendliche in Mecklenburg-Vorpommern. Sie zeigte auf, dass Medienschutz nicht nur technische Lösungen, sondern vor allem eine umfassende Medienbildung erfordert. Neben den Jugendlichen selbst tragen sowohl Plattformbetreiber als auch Schulen und politische Akteure Verantwortung für einen sicheren digitalen Raum. DieErkenntnisse des Vortrags bieten auch für Schulen in Mecklenburg-Vorpommern wertvolle Hinweise, um Kindern und Jugendlichen eine sichere und kompetente digitale Teilhabe zu ermöglichen.

Wenn Sie mehr über Datenschutz und Medienkompetenz an Ihrer Schule in Mecklenburg-Vorpommern erfahren möchten, informieren Sie sich auch gerne über unser Engagement im Rahmen der Initiative Datenschutz geht zur Schule.

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